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Geschichte - DDR-Zeitzeuge am MBG

DDR-Zeitzeuge am MBG

Zeitzeuge Titus Muschik berichtet Zehntklässlern vom Leben in der DDR

Der Zeitzeuge Herr Muschik, der von 1965 bis 1986 in der DDR gelebt und unter der SED-Diktatur gelitten hat, besuchte zwei 10. Klassen des MBG Anfang Dezember 2019. Der Fokus seines Vortrages lag vor allem auf seinen persönlichen Erfahrungen. Herr Muschik wurde 1986 zu 10 Monaten Haft verurteilt, weil er in Ostberlin an der Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße für sein Recht auf Reisefreiheit demonstrierte und nach Westberlin ausreisen wollte.

Während der Untersuchungshaft in Berlin-Rummelsburg kündigte er den Vernehmern an, so lange an dieser DDR- Grenzübergangsstelle zu erscheinen und zu demonstrieren, bis ihm die Ausreise gestattet würde, die ihm und allen DDR-Bürgern nach dem Helsinki-Abkommen von 1975 zustand.

Obwohl er also weder einen illegalen Fluchtversuch unternommen noch einen Ausreiseantrag gestellt, sondern nur mit friedlichen Mitteln für Reisefreiheit demonstriert hatte, wurde er unter Ausschluss der Öffentlichkeit wegen „Beeinträchtigung staatlicher Ordnung“ zu einer Haftstrafe verurteilt.

Herr Muschik berichtete über seine Erfahrungen während des anschließenden Gefängnisaufenthalts in der Vollzugsanstalt Rüdersdorf bei Berlin. Besonders erschrocken war er über die medizinische Versorgung, die zum Beispiel mit verfallenen Medikamenten, verschmutzten, unsterilen Instrumenten und ohne ausreichend ausgebildetes medizinisches Personal stattfand.

Zu essen gab es teilweise verschimmeltes Brot und Gemüse.

Rußpartikel aus den nahe gelegenen Kalkverbrennungsanlagen (DDR-Zementwerk), die keine Filter besaßen, reagierten mit der Feuchtigkeit auf der Haut und führten dort bei einigen Gefangenen zu nässenden großflächigen Entzündungen.

Herr Muschik wurde am 9. Juli 1986 direkt aus dem DDR-Gefängnis von der Bundesrepublik freigekauft. Seine Familie konnte er bis zum Mauerfall 1989 nur zu Beerdigungen und in Karlsbad, CSSR, und Budapest, Ungarn sehen.

Herr Muschik bat seine Zuhörer, für die eigenen Überzeugungen einzustehen, und zum Beispiel für die Teilnahme an Fridays-for-Future-Demonstrationen gegebenenfalls auch schulische Konsequenzen auszuhalten. Am Ende des 90-minütigen Vortrags und Gesprächs antwortete er auf eine entsprechende Nachfrage: „Ganz klar war die DDR ein Unrechtsstaat“, weil sie gegen die eigenen Gesetze und die eigene Verfassung verstieß.

Sein Vortrag war sehr interessant, da er viele Bilder zeigte und wir zwischendurch Fragen stellen konnten. Und es ist etwas anderes, ob man Fakten im Internet und Büchern nachliest oder eine persönliche Geschichte aus der Zeit hört, in der Deutschland geteilt war.

Da der Vortrag kostenlos war, haben wir Schüler an das Zentrum Refugio München für traumatisierte Flüchtlinge gespendet.

Lara Hart, 10d